Fahrrad kaufen online oder beim Händler um die Ecke?

Mifa Fahrrad: Ein Cityrad für Damen in schwarz. Sehr schick.

Es ist eine ewig wiederkehrende Streitfrage. Soll ich mein Fahrrad kaufen beim Händler um die Ecke oder online?

Seinerzeit habe ich mich bereits etwas ausführlicher darüber ausgelassen welches Fahrrad kaufen Sinn macht.

Dieses mal will ich eher darüber schreiben was die anderen nicht unbedingt so sehen. Oder darüber was sie weggelassen haben.

Außerdem werde ich Tacheles reden wo ich den gängigen Annahmen nicht zustimme. Vor Allem bei den üblichen Klischees werde ich einhaken:

  • Fahrrad unbedingt beim Händler vor Ort kaufen.
  • Ein gutes Bike muss mindestens 500 Euro kosten.
  • Ein Fahrrad muss eine angesehen Marke sein.

Zudem möchte ich über meine persönlichen Erfahrungen Auskunft geben, egal ob Fahrrad-Händler, ein Kaufhaus (Karstadt), oder einen Versandhandel (Otto) betreffend.

Ich hatte in meinem Mittel langen Leben ganze 6 Fahrräder. Ich bin also kein Experte wenn es darum ein Fahrrad zu kaufen. Einiges kann ich aber schon erläutern.

Als Blog-Autor der schon etliche Jahre über Räder aller Art schreibt habe ich schon eine gute Übersicht wie ich finde. Fangen wir aber mit meiner eigenen Geschichte an.


Wie mich ein Händler belaberte

Mein allererstes richtiges Fahrrad kaufte ich mit meinem Vater als Kind bzw. Jugendlicher bei einem klassischen Fahrrad-Händler um die Ecke.

Ich weiß noch, dass es damals ziemlich teuer für unsere Verhältnisse war. Wir wir nicht gerade wohlhabend.

Es war ein Kalkhoff. Ich kannte die Marke zwar nicht aber sie wurde mir vom Händler wärmstens empfohlen.

Das Rad machte mich zum Gespött der anderen Kinder

Warum? Weil „alle“ ein cooles Mountainbike oder Rennrad hatten während ich nur ein, ja was denn eigentlich, vielleicht ein Cityrad fuhr.

Nichts gegen Cityräder aber damit kann man nicht vor Freunden und Mädchen in der Pubertät punkten. Ich habe keine Ahnung wie ich zu dem Rad kam.

Offenbar war der Händler bestrebt mit ein teures Marken-Rad zu verkaufen statt mich zu beraten.

Aber gerade diese Beratung wird als besonderer Vorteil von Händlern angegeben. Es war eher belabern.

Vor Allem in Foren tummeln sich viele Händler die potentiellen Fahrrad-Käufern suggerieren zum Händler zu gehen und sich beraten zu lassen.

Was diese Händler auch gern schreiben und was Journalisten ebenso übernehmen ist die „Ein Fahrrad muss 500 Euro kosten um gut zu sein“ Leier. Manche sollte eher aufschwatzen sagen.

Die Wahrheit ist: 95% aller Menschen die ein Rad fahren sind keine Sportler.

Egal ob Mountainbike, Rennrad oder Cruiser. Die meisten Räder werden im Alltag gefahren, zur

  • Schule
  • Uni
  • Arbeit

Kein Mensch braucht 21 Gänge und ein Rad für 1000 Euro das nicht mal angeschlossen sicher ist für den Weg zum Supermarkt. Außer vielleicht ein Lastenfahrrad für den Einkauf.

500 Euro ist guter Richtwert um keinen Ramsch zu kaufen, kann aber auch unterschritten werden.

Teure Räder sind Luxus. Das ist OK. Leuten die ein Rad für den Alltag brauchen eine teure Maschine für Spitzensportler an zu drehen ist allerdings hanebüchen.

So wie sie keinen Geländewagen oder Porsche in der Stadt brauchen, brauchen Sie auch kein Mountainbike für die Zugspitze.

Auch ein Rennrad für die Tour de France taugt nicht zum täglichen Pendeln oder für den kleinen Ausflug am Wochenende.

Genau das ist aber der Tenor. Händler und Foren-Mitglieder, oft in Personalunion, sind sich da einig.


Marken-Räder sind nicht immer besser

Nach dem Cityrad-Debakel hatte ich dann als Jugendlicher ein Mountainbike, oder eigentlich zwei, das erste wurde mir recht schnell geklaut.

Das zweite fährt heute immer noch und dürfte bald 20 Jahre als sein. Es ist ein Condor den mir mein Vater bei Hertie kaufte.

Übrigens war mein Kalkhoff Rad sehr schnell hin. Ich konnte einmal nicht rechtzeitig bremsen und fuhr gegen eine 30cm hohe Mauer die eine Hecke abgrenzte.

Daraufhin war die Vordergabel soweit nach hinten verbogen, dass ich beim in die Pedale treten mit meinen Füssen gegen das Vorderrad stieß.

Ich bin kein Fetischist der sein Bike an die Wand hängt.

Ich behandle meine Räder nicht wirklich gut. Sie stehen auch im Winter draussen, ich pflege sie nicht permanent und sie müssen einiges aushalten.

Das Mountainbike tat es. Irgendwann hatte ich aber genug von MTB, ich war eh kaum im Gelände unterwegs.

Mein nächstes Rad wurde ein Fitnessbike. Ich wusste damals gar nicht, dass es ein Fitnessbike war, die Bezeichnung wurde mir erst später bewusst. ich kaufte es bei Karstadt.

Die Marke klang etwas albern „Alex“ aber das Fahrrad war super. Es lief wie geschmiert und hat die Bezeichnung Speedbike wie Fitnessräder auch genant werden durchaus verdient.

Ein Paar Jahre später wollte ich ein wenig langsamer werden. Das Speedbike verleitet einen dazu wirklich schnell zu fahren. Ich wollte keinen Stress mehr.

Außerdem war es mir inzwischen zu glatt. Ich wollte etwas mit etwa mehr Stil:

Ein Beachcruiser musste her. Die geschwungenen Linien, die sichtbare Geschichte der Technik die in einem solche Rad steckt, das Flair.

Dann merkte ich allerdings, dass Cruiser-Bikes ganz schön teuer sind. 300 Euro und mehr für Räder die nicht mal eine Gangschaltung, Bremse oder Schutzbleche haben.

Zum Glück fand sich dann noch ein ganz gutes Cruiser-Fahrrad mit 7 Gängen, zwei Bremsen und Schutzblechen bei Otto. Es war ein Mifa.


Marken und Namen, Otto und Amazon

Auch Mifa gilt nicht als besonders gute (sprich teure) Marke. Schon beim Alex musste ich mir bei Fahrrad-Händlern anhören wie scheiße mein Rad ist wenn ich mal einen Schlauch wechseln wollte obwohl ich sehr zufrieden war.

Ich fuhr das Mifa fast 10 Jahre und bis auf die Rost-Probleme einzelner Teile bin ich ziemlich zufrieden.

Auf jeden Fall ist es besser einen Cruiser mit Gangschaltung zu fahren als einen ohne, der sich wirklich nur für den Strand oder eher die Strandpromenade eignet.

Allein der Brooks-Sattel auf dem Mifa Cruiser ist übrigens 90 Euro wert. Das hätten sie vielleicht eher in rostfreie Kleinteile stecken können.

Brooks mag zum Cruiser-Image gehören aber ich habe den Sattel nie besonders gemocht und dieses Jahr schließlich ausgetauscht.

Die meisten Marken stellen heutzutage in China her. Dabei ist egal ob sie teuer oder billig sind. Sie entstehen auf dem glecihen Fließband. Lange Rede, kurzer Sinn:

  1. Es muss nicht der Fahrrad-Händler sein.
  2. Es geht nicht darum wie teuer ein Rad ist und
  3. es muss auch keine Marke ist hundertjähriger Geschichte sein.

Es geht vor Allem um die eigenen Bedürfnisse.

Es geht um den Fahrrad-Typ. Es geht darum, das sich ein Rad im Alltag bewährt und lange hält.

Bei mir haben die eher „zweitklassigen“ Marken wie Condor (gibt es nicht mehr), Alex oder Mifa aus dem Kaufhaus oder Versandhaus bewährt.

Die vom Händler empfohlene „gute“ Marke war ein Reinfall. Nicht mal der Fahrrad-Typ war der richtige für mich. Von wegen Beratung.

Aber ich will natürlich nicht alle Händler über einen Kamm scheren. Ich habe selber bereits hier im Blog welche empfohlen, etwa Froschrad in Berlin Kreuzberg zuletzt.

Diejenigen die selber Fahrräder bauen und zusammenstellen und wirklich Fachleute sind, OK.

Aber solche die reine Zwischenhändler sind und nur 50% auf den Preis eines Marken-Rads made in China aufschlagen, nein Danke.

Nicht alle haben überhaupt einen Händler um die Ecke. Für viele auf dem Land ist ein Bike Shop online bzw. Versandhändler die einzige Wahl.

Online Shops gibt es etliche, häufig verkaufen die meisten auch über Amazon und Ebay.

Wer Ebay und Amazon mehr vertraut kauft dort. Schließlich gibt es bei Ebay und Amazon Bewertungen. Oft sind diese zu fast 100% positiv.

Manche Marke genießt auch einen Vertrauensvorschuss. Das kostet allerdings Aufpreis.

Für 500 Euro kannst Du allerdings in manchem Shop eine ganze Familie mit Fahrrädern versorgen.

Es ist OK sich ein Rad für 500, 1000 oder mehr Euro zu kaufen und damit Sport zu betreiben wie ein Profi.

Es gibt allerdings keinen Grund 95% der Bevölkerung ein schlechtes Gefühl zu vermitteln wenn sie sich ein normales Fahrrad kaufen und damit nur im Alltag fahren.

Kein Mensch würde auf die Idee kommen jemanden aus zu lachen weil er nur einen VW Golf fährt und nicht einen Porsche.

Warum lassen wir uns das bei Rädern also gefallen bzw. einreden wir machen etwas falsch?