Rad fahren lernen für Erwachsene als Maßnahme zur Integration

Flüchtlinge bzw. viele neue potentielle Radfahrer aus Somalia. Bild von Noborder Network.

Flüchtlinge und Ausländer allgemein haben es nicht leicht in Deutschland. Wer nicht aus der westlichen Hemisphäre stammt und genug Geld hat ist schlicht unerwünscht. Solche Menschen werden an den Grenzen abgefangen, abgewiesen und oft gleich zurückgeschickt oder in „Ausreisezentren“ und Abschiebegefängnissen wie Schwerverbrecher festgehalten.

Die Migranten die sich schon hier befinden haben meist mit Ausgrenzung zu kämpfen und sind schon allein aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse und finanzieller Mittel benachteiligt. Sie genießen auch so geringes gesellschaftliches Ansehen. Kein Wunder, dass sie sich oft zurück ziehen und unter sich bleiben.

So ist das Wort „Ausländer“ an sich fast schon ein Schimpfwort.

Demgegenüber macht es sich die Politik auf dem Rücken der Ausländer oft leicht. Mangelnde Integration wird ihnen immer wieder gerne vorgeworfen um den Wähler vom rechten Rand zurück in die Reihen der bürgerlichen Parteien zu holen.

Doch Integration heißt auch, dass jemand integriert wird, nicht nur, dass er sich zu integrieren hat.

So sind oft die Angebote zur Integration mehr eine Schikane als eine ernst gemeinte Hilfestellung.
Anders bei dem Angebot das ich heute vorstellen will. Die FAZ beschreibt eine Initiative aus Braunschweig die Integration ganz konkret betreibt: Sie ermöglicht es Erwachsenen Fahrrad fahren zu lernen. Doch nicht nur das:

Rad fahren lernen ist auch eine Maßnahme zur Integration, denn wer kann in Deutschland als Erwachsener kein Rad fahren?

Eben vor Allem Migranten. Bei uns lernen die meisten Leute Rad fahren schon im frühen Kindesalter. Ähnlich wie schwimmen und später lesen und schreiben.

Doch das ist nicht überall auf der Welt so selbstverständlich. In vielen anderen Ländern auf der Welt ist Rad fahren auch schon ein Luxus oder eine Seltenheit. Zudem erlauben politische und religiöse Einschränkungen es oft nicht mal. Vor Allem für Mädchen und Frauen ist es vielfach nicht „normal“ Rad zu fahren.

Ich habe schon öfters gehört, dass Migranten erst hier bei uns lesen und schreiben oder auch schwimmen lernen müssen. Dabei vergaß ich das nahe liegende: Rad fahren.

Vor Allem für Menschen aus Afrika oder den muslimischen Ländern kann Rad fahren was exotisches sein.

Entweder aus Armut oder falsch verstandener Religiosität. Ich habe großen Respekt vor dem Islam. Aber der Koran verbietet Rad fahren für Frauen nicht, denn als er entstand gab es noch keine Fahrräder. Trotzdem ist es in Ländern wie etwa Saudi Arabien verboten, dass Frauen Auto fahren. Das Rad wird da wohl mit eingeschlossen sein in dem Verbot.

Das Projekt in Braunschweig heißt wohl auch daher „Ladies on tour“.

Was für mir aber besonders daran gefällt ist, dass auch deustche dort Rad fahren lernen können. Denn was anderes ist Integration als wenn deutsche und Migranten gemeinsam etwas unternehme und an Aktivitäten teilnehmen. Überhaupt bietet Fahrräder mehr als eine Gelegenheit der Integration. Werkstätten für Migranten-Kinder sind eine andere.

Ein solches Projekt ist also für alle Seiten gut. Es wäre begrüßenswert Nachahmer dafür zu finden.

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