Unfall-Statistik: Radfahrer saufen, nehmen Drogen und sind selbst Schuld an Unfällen

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Ich dachte schon ich lese nicht richtig. Da steht doch tatsächlich in einer neuer Unfall-Statistik

42% aller Verkehrsunfälle an denen Radfahrer/innen beteiligt waren, wären von ihnen selbst verursacht worden.

Um es mit dem Spiegel zu sagen: „Radfahrer sind selbst Schuld.“

Zudem sei jede/r Vierte dieser Unfälle „berauscht“ also entweder unter Alkohol-Einfluss oder sogar auf Drogen verursacht worden.

So stammt diese Auswertung, nicht Statistik, selbstverständlich aus einer Quelle die ganz objektiv ist bzw. Radfahrern sehr nahe steht, nämlich einem ominösen Auto Club Europa (ACE). Nie von denen gehört dachte ich mir. Aber offenbar vertreten sie zumindest dem Namen nach nicht gerade die Radfahrer/innen. Doch dann fiel es mir ein, ich habe mal deren Werbe-Broschüre alias Magazin gelesen. Es war ein widerliches Pamphlet für mehr Autobahnen, gegen Tempolimits und dergleichen.

Der ACE ist eine Art ADAC auf Speed.

Diese Organisation versucht sich mit zackiger Rhetorik zu positionieren und damit ihre Leistungen bekannt zu machen. Offenbar ist es ihnen wieder gelungen. Spiegel, Welt etc. und der ganze Medien-Apparat sind willige Helfer. Während der ADAC aber durchaus noch vernünftig ist und gern mal Elektro-Fahrräder testet oder auch Fahrrad-Anhänger und sich halbwegs objektiv um Sicherheit auch der schwächeren Verkehrsteilnehmer/innen sorgt habe ich den Eindruck hier nicht. Im Gegenteil:

Es geht viel eher darum unter Vortäuschung von Objektivität Fahrrad-feindliche Politik zu machen.

Doch angesichts der Stimmung im Lande wo Prominente einfach mal so einen Radfahrer beinahe tot fahren können und der Radfahrer eh automatisch als „selbst Schuld“ gilt, selbst in populären Fahrrad-Foren, trifft eine solche Unfall-Statistik auf offenbar fruchtbaren Boden.

Fazit:

Radfahrer saufen, nehmen Drogen und sind selbst Schuld wenn sie überfahren werden.

Die häufigste Unfallursache ist nämlich 36% ist falsche Straßenbenutzung. Was das wohl heißt? Naja, Radfahrer auf der Straße, das ist vermutlich an sich falsch wenn es nach der Autolobby geht.

Zwar beruhen die Daten angeblich auf den des Statistischen Bundesamtes aber hier scheint mehr der Wille eine bestimmte Transportart zu diskreditieren im Vordergrund der Deutung zu stehen.

Warum steht den da nicht wie viele Sportwagen und SUVs an tödlichen Autounfällen beteiligt waren, am besten mit Kindern?

Wie viele der Autofahrer haben im alkoholisierten Zustand einen tödlichen Unfall verursacht hat?

Wie viele der Fahrrad-Unfälle im „berauschten Zustand“ endeten einfach mit umkippen oder anderen belanglosen Unfällen mit leicht Verletzten?

Übrigens, selbst wenn wir diesen Zahlen folgen, werden immer noch 58% aller Fahrrad-Unfälle nicht von Radfahrer/inne/n selbst verursacht. Seltsam nur, dass nirgends steht wie viele davon auf das Konto von von Autofahrer/inne/n geht? Waren es vielleicht mehr als 42%?

Eine Kommenatatorin auf der ACE-Seite verrät auch gleich den Trick der dahinter steht:

Wenn es heißt, dass 42 % der Schweren Radunfälle durch Radfahrer selbst verschuldet wurden, wird übersehen, dass dort auch Fälle eingehen, wo Radfahrer alleine verunglücken oder bei einem Zusammenstoß mit anderen Radfahrern. Entsprechend ist natürlich der Radfahrer dann auch der Verursacher. Wenn man zusammenstöße zwischen PKWs und Radfahrer oder LKWs und Radfahrern betrachtet, ergeben sich ganz andere Werte (ca. 30% bzw 20%).

Das spiegelt auch die Meinung des ADFC Sicherheitsexperten wider mit dem ich nach dem Gauck-Unfall telefoniert hatte.

Wer sich dei „Studie“ selbst herunterlädt [PDF] erfährt aber auch die traurige Wahrheit. Allein 462 Radfahrer/innen starben 2009 bei Unfällen im Straßenverkehr. 14.180 wurden schwer verletzt! Leicht verletzt mehr als 60.000! Dabei werden solche Unfälle wie mir letztens einer passierte gar nicht erst mitgezählt.

Die beste Zahl wird aber vom Spiegel und Konsorten verheimlicht.

Für knapp 60% aller Unfälle „mit Personenschaden“ die unter Alkoholeinfluss verursacht wurden tragen Autofahrer/innen die Schuld.

Na wenn das nicht dafür spricht, den Autoverkehr drastisch einzuschränken.

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