UPS Lastenräder: Bald auch um die Ecke?

Vor ca. einem Monat wurde bekannt, dass UPS seine Pakete hierzulande mit inzwischen 6 Lastenrädern bzw. Cargobikes transportieren wird. Einerseits war ich natürlich hocherfreut, andererseits doch etwas enttäuscht von der geringen Zahl der Räder. Denn angesichts von der Größe Deutschlands ist das ja eine symbolische Zahl.

Daher wollte ich mehr wissen und schickte ein Paar Fragen an die Presse-Verantwortlichen von UPS. Deren Antwort blieb im Filter stecken und so entdeckte ich sie erst kürzlich. Nun also das kleine Interview mit UPS zu den neuen Transporträdern bei der Paket-Zustellung:

Was hat UPS veranlasst die Räder anzuschaffen?

Für die „letzte Meile“ bei der Paketzustellung sucht UPS Lösungen, die möglichst gut zu den Gegebenheiten im Zustellgebiet passen. In Wuppertal, wo das Stadtgebiet bergig ist, sind Fahrräder keine Option. In Köln, wo die Innenstadt zum Teil nur schlecht mit einem Paketfahrzeug zu beliefern ist, hat ein Fahrrad Vorteile. Alternativ können auch „Walker“ mit Sackkarren eingesetzt werden. In Venedig nutzt UPS Zustellboot, in Ägypten kommen auch Esel zum Einsatz.

Welche Firma hat die Cargobikes bereitgestellt/produziert?

Die Fahrräder hat Pedal Power, ein mittelständisches Unternehmen in Berlin, nach UPS Vorgaben gefertigt.

Wie viel Last können Sie tragen?
Ca. 200 kg.

Warum nur 6? Ist das ein Pilotprojekt um zu testen? Wann gibt es mehr?

Es geht mehr um die Gegebenheiten vor Ort. Letztlich muss der Einsatz auch immer ökonomisch sinnvoll sein. (Nachhaltigkeit muss auch immer den ökonomischen Aspekt berücksichtigen. Nur dadurch werden Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen und Optionen eröffnet ökologische Projekte anzugehen, die sich finanziell nicht rechnen, wie z.B. die voll elektrischen Zustellfahrzeuge die UPS aktuell in sechs Städten testet).

Warum wird gerade in Berlin keins eingesetzt? Zu gefährlich wegen Verkehrsaufkommen/Diebstahl?

Die infrastrukturellen Gegebenheiten in Berlin haben bisher den Einsatz von Fahrrädern nicht als sinnvoll erscheinen lassen. Mit den Fahrrädern wird ein bestimmter Radius um eine Art Basisstation (in der Regel ein geparktes Zustellfahrzeug) beliefert. Nur wenn der Bereich der Belieferung schlecht oder gar nicht mit dem Fahrzeug zu beliefern ist, lohnt der Einsatz von Fahrrädern oder von Walkern.

Natürlich müssen wir ein wenig zwischen den Zeilen lesen. Im Klartext heißt das wohl für mich: In Berlin etwa ist der Zugang für Autos noch überall möglich, warum also auf Räder umsteigen?

Es müssten als erst Anreize geschaffen werden um den Umstieg aus Rad auch für Firmen sinnvoll zu machen. Bis dahin wird es wohl keine UPS Lastenräder auch bei uns um die Ecke geben.

Also Straßen sperren, Radwege und Fußgängerzonen schaffen.

Bei der Rad-Spannerei entfachte der ursprüngliche Beitrag und mein Kommentar eine sehr anregende Diskussion über das für und wider der Lastenräder als Transportmittel. Die pro und contra Argumente sind der in der Tat alle sehr einleuchtend.

Nun gilt es etwas gegen die Nachteile zu tun, denn diese sind eher infrastrukturell als grundlegend.

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