Erweist „Pro Fahrrad“ uns einen Bärendienst?

Auch Pro Fahrrad: Kohle-Transport in China. Quelle.

Fast hätte ich sie übersehen, die neue Website der Kampagne der deutschen „Zweirad-Industrie“ (ZIV). Kein Wunder, der Presse war sie gerade mal eine Randnotiz wert. „Pro Fahrrad“ heißt diese „Initiative zur Förderung der Radnutzung und des Radverkehrs“.

Das klingt sehr bemüht, etwa nach Pro Familia. Trotzdem habe ich mich natürlich zunächst gefreut und habe auf der Website gestöbert. Doch nicht lange. Die Verantwortlichen wollen Werbung fürs Rad fahren machen. Der Spruch „Rad fahren bewegt“ ist da etwas platt offensichtlich aber seis drum. Die Freude hatte dann aber jäh ein Ende als ich das erste Anzeigen-Motiv sah das unter dem Motto „Umwelt“ fungiert.

Auf dem Bild sind ein Damenrad und ein Herrenrad neben einer Holzhütte irgendwo auf der Alm abgestellt. Drum herum verstreut sind allerhand Kleidungsstücke, ein BH hängt noch an der Regenrinne. Drunter steht: Für mehr Verkehr und weniger CO2! Wie geistreich! Inwiefern Geschlechtsverkehr zur CO2-Reduktion beiträgt steht auf einem anderen Blatt.

Da haben sich die Werber wohl gedacht: Moderne Reklame ist meist debil und sexistisch. Das machen wir auch so!

Ich bin ja kein Erzkatholik und wir hatten hier auch schon mehr als einmal leicht bekleidete Damen auf allerlei Rädern gezeigt. Trotzdem erweist uns diese plumpe Kampagne einen Bärendienst. Kein Mensch wird durch solche Argumente oder Anspielungen zum Rad fahren bewogen.

Rad fahren ist heutzutage nicht „Pro Fahrrad“, es ist Bike Polo, BMX Dirt oder Bambus. Image-Pflege ist ganz nebenher das was ein 7 Jähriger auf dem Rad für die Erdbebenopfer in Haiti macht.

Wir haben ja schon eine Fahrrad-Lobby, den ADFC. Der meldet sich lautstark zu Wort und schafft immer wieder den Status Quo der Autogesellschaft auf zu mischen. Auch der VCD rockt. Vor allem die Aktion zur Abwrackprämie für Fahrräder bleibt unvergessen.

Wir brauchen keine dämlichen Anzeigen die auf niedere Instinkte setzen. Wir brauchen die Lobby da wo wir schon am kämpfen sind.

In einer Zeit in der

gibt es besseres zu tun.

Eigentlich wollte ich KS Cycling einen Beitritt zum ZIV empfehlen. Doch nachdem ich die plumpe Botschaft der Kampagne gesehen habe nicht mehr. Dieser Beitrag gibt natürlich nur meine persönliche Meinung wieder und nicht die von KS Cycling. Vielleicht sehen es die Kollegen anders.

Der ZIV sollte lieber

  • Bike-Polo Meisterschaften
  • Anwälte für Radfahrer
  • eine Abwrackrämie für Fahrräder

finanziell unterstützen und nicht notgeile Werber.

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